Anleitungen

Ein ganz normaler Entrümplungs-Tag

Diese Woche nutzte ich dazu, jede Menge auszusortieren. Mir wurde bewusst, dass ich zwar immer über meinen Mann schimpfe, dass so viel Kram von ihm überall rumsteht, aber wenn ich mich umsehe, dann habe ich von allem mindestens doppelt so viel. Das muss sich ändern! Somit begann ich als erstes meine Bücher auszusortieren. Eine große Kiste kam zur Bücherei. Unsere Bücherei hat einen Bücherflohmarkt. Der Erlös wird in kleinere und größere Projekte der Bücherei investiert.

Weggeben anstatt Verkaufen

In den meisten Entrümplungsratgebern wird empfohlen, dass man mit allem Möglichen noch Geld machen kann. Früher verfolgte ich diesen Plan. Ich habe vieles verkauft über: Amazon-Market, Ebay, Booklooker, Flohmarkt, Kleidermarkt, Second-Hand-Läden, Kleiderkreisel, Facebook-Trödel-Groups, Kalaydo, markt.de, ebay-kleinanzeigen. Heute weiß ich, dass außer bei den Groups und Kleinanzeigen, hauptsächlich die anderen Geld verdienen und man selbst verschwendet jede Menge Zeit mit kommunizieren, verpacken, auf dem Postamt rumstehen, Verpackungsmaterial besorgen (auch nicht immer einfach) und und und. Würde man die gleiche Zeit für einen Nebenjob aufbringen, man würdet mehr verdienen!

Dazu kommt, dass für fast alles die Preise absolut im Keller sind. Bücher sind z. B. nur verkäuflich, wenn es gute Fachbücher oder topaktuelle Bestseller sind. Und mit topaktuell meine ich maximal ein Jahr nach Neuerscheinung! Je älter das Buch ist, je weiter sinkt der Preis. Am Ende bekommt man für ein Buch nicht mal einen Euro und hat dafür jede Menge Arbeit (s. oben).

Auch Kleidung lässt sich nur verkaufen, wenn sie der gerade aktuellen Saison entspricht, die Läden gerade kein Sale haben, sie maximal ein oder zwei Jahre alt und von einer bekannten Marke sind. Alles andere kann gleich in den Altkleidersack, weil unverkäuflich.

Ich bin inzwischen dazu über gegangen, die meisten Sachen einfach wegzugeben. Die Bücher kommen bei mir entweder als Spende zur Bücherei oder die älteren und nicht mehr so guten in die Bücherschränke, die mittlerweile überall rumstehen.

Porzellan und Gläser sind nahezu unverkäuflich. Das stelle ich in einer Kiste an die Straße. Dadurch, dass hier viele Studenten leben, gibt es dafür dann doch noch einige Abnehmer. Das, was übrig bleibt, fliegt in den Müll.

Kleidung geht in den Altkleidercontainer. Dabei achte ich darauf, dass es Container sind, die auch wirklich wohltätigen Zwecken zugeführt werden. Dies sind hauptsächlich Container von Wabe e. V. Auch gibt es ab und zu Aufrufe von gemeinnützigen Organisationen, die Kleidung für spezielle Projekte (z. B. Flüchtlingshilfe, Erdbebenopfer) suchen oder Kleiderläden/Sozialkaufhäuser, die gute Kleidung weiter verkaufen. Dort kann man die Kleidung vor Ort abgeben. Die allermeisten anderen Container sind wild aufgestellt und dienen nur einem gewerblichen Zweck. Auch die Container von gemeinnützigen Organisationen dienen nur als Gelddruckmaschine und sorgen dafür, dass es den Menschen in der dritten Welt noch schlechter geht (s. dazu z. B. diesen Artikel aus der ZEIT). Aus diesem Grund werfe ich manches Kleidungsstück auch schon mal in den Müll oder mache Putzlappen draus.

Wie entscheiden?

Wir stellten ungelogen ca. 5 Jahre Bilderrahmen ständig von links nach rechts und wieder zurück. Erst lagen sie auf dem Schrank, bis mir mal einer entgegen kam, dann standen sie hinter der einen Tür, dann hinter einer anderen usw. Dann habe ich sie eine Weile an die Straße gestellt, aber auch andere wollten sie nicht und letzten Endes habe ich sie zerkloppt und in die Mülltonne gestopft. Das kann doch nicht wahr sein, dass ich fünf Jahre beim Staubsaugen gegen Bilderrahmen stoße, die keiner mehr haben möchte?

Dazu fällt mir ein schönes Zitat ein, dass ich in einem Einrichtungsbuch gefunden hatte:

„Man sollte sich nur mit Dingen umgeben, die entweder schön oder nützlich sind.“

Seit ich diesen Satz gelesen hatte, frage ich mich immer, wenn ich etwas in der Hand halte: „Finde ich es schön? Brauche ich es wirklich?“

Nun weiß ich, dass es ganz viele Menschen gibt, die die Frage „Brauche ich es wirklich?“ immer mit „Ja!“ beantworten können. Zum Glück gehöre ich nicht dazu. Denn wenn ich diesen Satz noch weiter einschränke z. B. in „Habe ich es das letzte Jahr gebraucht?“ dann wird mir bei vielen Sachen schnell klar, dass ich es wirklich nicht mehr brauche. Ein Jahr ist ein kompletter Zyklus mit Sommer und Winter, mit Schnee und Sonne, mit Festen und Alltag, mit Grillen und Weihnachtsbaum. Ein Jahr ist ein sicherer Indikator dafür, ob man etwas wirklich braucht.

Nun gut, wenn man im letzten Jahr keinen Campingurlaub gemacht hat, aber in diesem einen plant, dann darf man das Zelt behalten, aber man sollte ehrlich zu sich sein und sich fragen, ob man tatsächlich noch einmal campen fährt. Hat man nämlich den letzten Campingurlaub schon gehasst, hätte man das Zelt auch gleich im Anschluss sofort verkaufen können, anstatt es noch einmal im Keller zu parken.

Bei den oben erwähnten Bilderrahmen hätte man sie im Grunde auch gleich auf die Straße stellen können, denn wenn wir ehrlich waren, fanden wir sie schon in dem Moment nicht mehr schön, als wir sie von der Wand nahmen. Kurioser Weise war das schon in unserer alten Wohnung. Sie hätten somit nicht mal umziehen brauchen. Aber man hängt halt so an seinen Dingen und das ist m. E. die größte Falle: Man glaubt, dass einem etwas gefällt, weil man sich daran gewöhnt hat! Daher frage ich mich auch noch: „Wenn ich das jetzt im Laden sehen würde, würde ich es kaufen?“ Und darauf kommt dann ganz oft ein entschiedenes „Nein!“.

Zeit, ein wichtiger Faktor

Welcher Gedanke mir noch hilft, von Dingen loszulassen, ist eine Idee aus dem Buch „Simplify your life“ (von Werner Tiki Küstenmacher und Lothar J. Siewert erschienen im Campus-Verlag): Man sollte errechnen, wie viele Jahre man bräuchte, um einen Stapel Zeitschriften zu lesen. Die Beispielrechnung war erschreckend. Und als ich dann mein Regal voll ungelesener Bücher betrachtete, wurde die Rechnung noch erschreckender. Ich hätte drei Leben gebraucht, um das zu schaffen. Die Bücher, die ich schon gelesen, aber soooo gerne noch ein zweites Mal lesen wollte, waren noch gar nicht mitgerechnet!

Das half. So konnte ich mich sogar von ungelesenen Büchern trennen. Heute trennte ich mich aus dem gleichen Aspekt von einer umfangreichen Sammlung von Handarbeitsheften. Selbst wenn ich aus jeder Zeitschrift nur ein Teil nähen würde, bräuchte ich fünf Leben, um damit fertig zu werden. Irgendwie erdrückte mich der Gedanke. Um so befreiter war ich, als ich mich trennen konnte. Nun habe ich nur noch pro Jahrzehnt einige Erinnerungshefte und alle Zeitschriften ab ca. 2002. Das sind immer noch mehr als genug! (Eine Liste meiner aktuelle Sammlung findet ihr hier.)

Loslassen….so viel kann ich im Leben nicht nähen!

Wenn ich in einer Zeitschrift etwas Wichtiges finde, dann reiße ich mir die Seiten raus und werfe den Rest weg. Dadurch spart man enorm viel Platz! Und man hat alles lesenswerte auf einem Haufen und muss nicht tausende von Seiten durchblättern. Neulich machte ich das sogar mit einem Buch. Ich riss einfach die für mich wichtigen Seiten raus, strich die Seiten aus dem Inhaltsverzeichnis und stellte das Buch danach in einen Bücherschrank. Das stand da keine zwei Tage. Vielleicht reißt sich jemand anderes daraus andere Seiten raus 😉

Die Zeitschrift kommt weg und die paar Seiten bleiben.

Bei Stoffen und Wolle kann man das ähnlich betrachten: Werde ich es jemals schaffen, alle diese Stoffe zu vernähen? Die Antwort ist ein klares „Nein!“. Nun will ich trotzdem nicht alle Stoffe gleich wegwerfen, aber es gibt so viele Stoffe, die ich einfach nicht brauche, weil sie eine Struktur haben, die nicht zu meinen bevorzugten Projekten passen. Ich nähe z. B. keine Blusen und auch keine Sommerkleidchen, also können solche Stoffe schon mal weg. Manche Stoffe habe ich total günstig bei ebay ersteigert, konnte sie aber von vorn herein nicht leiden. Gut, manche Stoffe kann man noch für Probemodelle nehmen, aber so viele? Seien wir ehrlich, auch dafür fehlt oft die Zeit, da lege ich doch lieber gleich so los.

Im Internet gibt es viele, die Stoffspenden suchen, da sie für wohltätige Zwecke nähen. Dahin gehen meine Stoffe. Genau das Gleiche passiert mit meiner Wolle.

Ordnung halten

Die einfachste Art, das Haus leer zu halten, ist nichts Neues zu kaufen 😉 Einfacher gesagt, als getan. Überall locken Angebote und ständig wird einem suggeriert, was man noch alles gebrauchen kann. Sollte man nun doch einmal der Versuchung erlegen, kann auch die Regel „für jedes neue Teil muss ein altes gehen“ helfen.

Was mir beim Klamottenkauf sehr hilft mich einzuschränken, ist eine Entscheidungshilfe, die ich mal bei Shopping-Queen gesehen habe. Dort fragte sich eine Kandidatin beim Kauf von Klamotten immer: „Ist das Flirt oder Liebe?“ Der Flirt blieb im Laden, die Liebe durfte gekauft werden. Das half mir enorm! Seit dem kaufe ich nicht annähernd so viele Klamotten. Auch sage ich mir oft: „Lieber etwas mehr für ein anständiges Teil ausgeben, anstatt Tüten voller Billig-Klamotten.“ Das hilft mir enorm Sonderangebotsfehlkäufe zu vermeiden. Denn das Gehirn strömt bei Sonderangeboten zwar jede Menge Glückshormone aus, aber gespart wird am Meisten, wenn man vieles gar nicht erst kauft. Was man damit spart, darf man ruhig für einige, wenige, teurere und qualitativ hochwertige Teile ausgeben. Dadurch, dass diese länger halten und man durch weniger Kauf weniger Herstellungsmüll produziert, tut man gleichzeitig der Umwelt einen großen Gefallen.

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